Dramatische Niederlage der Zweiten im Stichkampf gegen Bad Soden

Die Zweite hat den nötig gewordenen Stichkampf gegen Bad Soden um den Klassenerhalt in der Verbandsliga verloren mit 17:19 nach Berliner Wertung. Es gibt noch eine kleine Chance, dass der Klassenerhalt doch gelingt, da noch eine Entscheidung am Grünen Tisch gefällt wird, ob es wirklich noch einen weiteren Absteiger geben soll. Wir sollten uns aber darauf einstellen, dass die Zweite absteigt, was leider auch die Dritte in den Abgrund reißt, da es durch unseren Absteiger auch einen weiteren Absteiger in der Landesklasse West gibt. Soweit das Wichtigste.

Zur Vorgeschichte (freiwilliger Abstieg von Griesheim 2 aus der Oberliga) werde ich keine weiteren Worte verlieren. Am Sonntag fuhren wir in guter Stimmung und guter Besetzung (drei fehlende Stammspieler wurden durch Florens, Rita und Sergej ersetzt) zum Stichkampf in den Taunus nach Bad Soden. Uns erwartete ein dramatischer und in mehrfacher Hinsicht unglücklicher Mannschaftskampf. Schnell lagen wir in Führung: Rita überspielte an Brett 7 Hans-Walter Schmitt (Manager von Viswanathan Anand), ein taktisch präzise durchgerechneter Zentrumsvorstoß brachte schnell die Entscheidung, mit drei Minusfiguren blieb nur noch die Aufgabe. Ich steuerte einen Punkt für Bad Soden bei: In einer scharfen Stellung – Bauernsturm am Damenflügel vs. Bauernsturm am Königsflügel – musste mein Gegner in für mich besserer/gewonnener Stellung eine Figur investieren, um weiter anzugreifen. Das hatte Erfolg, in komplizierter Stellung verlor ich die Übersicht, Stand 1:1. In den nächsten Stunden kamen aber drei Punkte für Marburg hinzu: Sergejs Stellung hatte ich zeitweise als gefährdet eingeschätzt, Sergej hatte aber genauer hingesehen und alle gegnerischen Angriffsbemühungen im Griff. Der gegnerische König blieb im  Zentrum stecken, die Rochade gelang später nur unter Materialverlust. Ebenso eine starke Partie von Robert an Brett 1, Robert stand die gesamte Partie über besser, im Endspiel gelang schließlich mit mehreren verbundenen Freibauern die Entscheidung. Heiko hatte nach der Eröffnung eine kritische Phase zu überstehen, der Gegner ließ Chancen aus, Heiko verteidigte sich zäh und siegte schließlich im Gegenangriff.

Also 4:1 für Marburg. Eine kurze Rechnung zeigte aber, dass trotz Siegen an den Brettern 1 und 3 die Berliner Wertung (Punkte an höheren Brettern zählen mehr), die im Falle eines Gleichstands zur Anwendung kam, den Ausschlag für Bad Soden geben würde. Ein halber Brettpunkt fehlte somit lediglich zum Sieg, nur Formsache, da in den verbliebenen drei Partien allenfalls Gerhard schlechter stand. Man ahnt, wie es ausging, und so kam es auch. Klaus hatte lange ein ausgeglichenes Doppelturmendspiel auf dem Brett, irgendwann stand er etwas schlechter, dann deutlich schlechter und schließlich auf Verlust. Ähnlich bei Florens, ein Remis durch Zugwiederholung wäre eigentlich das logische Ende der Partie gewesen, doch im Mannschaftssinne spielte der Gegner weiter. Das Springerendspiel mit einem Minusbauern, aber Bauern an einem Flügel muss noch lange Remis gewesen sein, aber irgendwann war es das nicht mehr, 4:3. Gerhard stand die ganze Partie über unter Druck, konnte aber stets (so mein Eindruck) entscheidenden Nachteil vermeiden. Um den 60. Zug herum kam er in Zeitnot, beging entscheidende Fehler und stellte plötzlich fest, dass er – wie auch sein Gegner – schon länger keinen Bonus bekommen hatte, wie sich später herausstellte, seit dem 40. Zug aufgrund eines Fehlers beim Einstellen der Uhren. In Hektik, Panik und eingreifenden Zuschauern fiel auch noch sein Blättchen. Es war klar, dass diese Partie die Entscheidung bringen würde, Florens Partie lief noch, war aber schon klar verloren. Erregte Diskussionen, schließlich eine Einigung: Die Zeiten wurden korrigiert, also das Inkrement hinzugefügt, aber die Partie wurde weitergespielt. Die falsch eingestellte Uhr hätte früher bemerkt und reklamiert werden müssen. Die Partie wurde in klar verlorener Stellung fortgesetzt, bald gab Gerhard auf. Um es klar zu sagen: Die Entscheidung des Schiedsrichters war richtig und in meinen Augen die einzig regelkonforme. Auf einem anderen Blatt steht natürlich, dass Gerhard die Partie vermutlich nicht weggeworfen hätte, wenn die Uhr richtig eingestellt gewesen wäre.

Endstand also 4:4 und 17:19 nach Berliner Wertung. Mit einer Mischung aus Frustration, Fassungslosigkeit und Galgenhumor lässt sich die Stimmung auf der Rückfahrt wohl ganz gut beschreiben. Um 22 Uhr kamen wir in Marburg an, wo wir uns knapp zehn Stunden vorher getroffen hatten. Was bleibt noch zu sagen? Ein Spieltag und auch eine Saison zum Vergessen. Für die Zweite wie für die Dritte, die nach fast aussichtsloser Lage im Winter noch das Steuer herumriss und den Klassenerhalt (eigentlich) gesichert hatte. Nun der Abstieg wegen eines halben Brettpunktes. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite: Nächste Saison geht es weiter, vorher treffen sich hoffentlich möglichst viele Spieler und Vereinsmitglieder am 31. Mai zum Saisonabschlussumtrunk, 19 Uhr 30 im üblichen Vereinsheim. Da trinken wir uns die Saison schön.

SC Bad Soden 1 SK Marburg 1931/72 2 4:4
Erdmann, Stefan Antonischki, Robert 0:1
Muntean, Radu-Liviu Kuhn, Gerhard 1:0
Schlanke, Ulf Seibert, Heiko 0:1
Haack, Kevin Montermann, Klaus 1:0
Deppe, Leo Max Hein, Lennart 1:0
Rödiger, Thomas von Heydwolff, Florens 1:0
Schmitt, Hans Walter Yaghi, Rita 0:1
Ackermann, Robert Laschenko, Sergej 0:1
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