Jahresrückblick Schachklub Marburg

2019 neigt sich dem Ende entgegen, Zeit für eine der allseits so beliebten Jahrsbilanzen. Diesmal, der geneigte Leser wird es wohl bereits erahnen, geht es in erster Linie um Schach und um den SK Marburg, unseren Verein.

Beginnen möchte ich mit unseren Mannschaften. Mittlerweile bringt der Schachklub Marburg 9 (!) Teams an den Start (4 Achter-, 3 Sechser- und 2 Vierermannschaften), darunter drei reine bzw. überwiegend mit Jugendlichen bestückte Mannschaften. Das ist so in Hessen relativ einmalig. Einmalig war auch das Abstiegsdrama am Ende der Saison 2018/19 um SKM 2 bzw. SKM 3 mit ebenfalls Hessenweiten Dimensionen: am Anfang stand der Rückzug von Griesheim 2 aus der Oberliga, der das ganze Drama auslöste, es folgten umstrittene Entscheidungen des damaligen Turnierleiters für Mannschaften, insgesamt vier Beschwerden von betroffenen Vereinen an den Hessischen Turnierausschuss, ein, von SK Marburg 2 leider ausgesprochen unglücklich verlorener (Berliner Wertung), Stichkampf, der damit als Dominoeffekt den Abstieg von SK Marburg 3 auslöste (wegen eines halben Brettpunktes weniger als Konkurrent Dotzheim 2!), mittendrin erfolgten auch noch eine Regeländerung durch den Hess. Schachverband, die solche Dramen verhindern soll (allerdings erst gültig ab der Saison 2019/20!) sowie der Rücktritt des Turnierleiters für Mannschaftswettbewerbe. Beendet wurde das Drama, wie es begonnen hatte: durch den Rückzug einer Mannschaft. Diesmal zog der Kasseler SK seine Mannschaft aus der Verbandsliga zurück, wodurch SK Marburg 2 und 3 ihre Klassen hielten. Also letzten Endes viel Theater um nicht viel!

Viel ist auch das Stichwort für unsere erste Mannschaft, unserem Flaggschiff, welches sich jetzt mit der Saison 2019/20 bereits das sechste Jahr in Folge in der Oberliga, der dritthöchsten Deutschen Spielklasse, tummelt. Eigentlich erstaunlich, sieht man sich die Kader der Konkurrenz und den damit verbundenen finanziellen Aufwand an: Klassenprimus Wolfhagen-Bad Emstal spielt schon seit Jahren mit einer fast Bundesligareifen Mannschaft, schafft einen souveränen Aufstieg nach dem anderen und wird in zwei Jahren die Bundesliga erreicht haben. Und wir? Wir, also unsere erste Mannschaft, hat allein durch den Aufstieg und den Erhalt der Oberliga unendlich viel erreicht für unseren Verein und wir, also der Verein, sollten alles was in unsere Verantwortung fällt dafür unternehmen (und sei es auch nur, dass man mal einen Heimkampf besucht), damit es auch so bleibt.

Einen Hauptschwerpunkt hatten wir vom Vorstand dieses Jahr auf die Umgestaltung unseres Turnierplans gelegt. Hatte dieses Ansinnen bei unserem Jungsenioren Open am 01.Mai (Mittelhessischer Senioren Cup) sowie unserem rund erneuerten Marburger Pfingstopen wunderbar funktioniert, so geriet es bei dem eigentlichen Filetstück, dem Marburger Lahnopen, trotz der Teilnahme von drei Großmeistern, ins Stottern und ging bei dem letzten Turnier, unserem 960er Open, bei leider nur 6 Teilnehmern regelrecht unter. Der Anfang und die Reaktionen der Teilnehmer haben uns jedoch gezeigt, dass der eingeschlagene Weg von der Richtung her stimmt, wir müssen noch hier und da nachjustieren, was wir auch tun werden.

Überhaupt nicht nachjustieren muss unser Jugendleiter Helge Neidhardt bei seiner Tätigkeit. Um das Ausmaß und die Qualität seiner Arbeit richtig darzustellen, muss man sich vergegenwärtigen, wo der SK Marburg im Bereich Jugendarbeit vor fünf Jahren stand: wir hatten damals ca. 80 MItglieder, darunter drei unter 18 Jahren, von denen eines aktiv war! Jetzt haben wir 43 Kinder und Jugendliche im Verein (Gesamtmitgliederzahl 127), wir haben insgesamt 15 Jugendtrainer und betreuen 10 Schulschach AG`s. Dazu passend stellen sich auch seit ungefähr einem Jahr die überregionalen Erfolge ein: jeweils Dritter bei den Hessischen U 12 und U 16 Mannschaften, Zweiter bei den U 10ern (und damit verbunden die Quali für die Deutschen Meisterschaften in ein paar Tagen, hierfür wünschen wir euch viel Glück, aber vor allem viel Spass) und ganz neu: mit Fabian Dietrich haben wir einen U 8 Vize-Hessenmeister in unseren Reihen!

Apropos Erfolg: etwas untergegangen ist, da das Frauenschach leider nur ein Schattendasein führt, dass wir dieses Jahr mal wieder Hessenmeister geworden sind. Johanna Blübaum hat sich den Frauentitel bei den Hessischen Einzelmeisterschaften gesichert. Auch hierfür nochmal einen herzlichen Glückwunsch und der Hinweis: wir haben seit kurzem eine Mädchenschachgruppe, bei Interesse einfach mich kontaktieren.

Schon lange Tradition beim Schachklub Marburg ist es. über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und Kontakt zu anderen Vereinen, Sportarten bzw. Institutionen zu unterhalten. Herausgekommen ist hierbei u.a. die enge Kooperation mit der Südstadtgemeinde Marburg, einer Stadtteilgemeinde, in deren Vereinslokal, dem Südstadttreff in der Schwanallee 27-31, wir uns seit einiger Zeit wohl fühlen und das wir seit zwei Jahren als offizielles Spiellokal für unseren Freitäglichen Vereinsabend (ab 19.30 Uhr) nutzen. Darüber hinaus partizipieren unsere Mitglieder mit steigendem Interesse an den Veranstaltungen der Südstadtgemeinde (2019 u.a. lange Raumschiff Orion Filmnacht, Südstadtfest), deren nächste schon im Januar ansteht: am 11.Januar findet das jährliche Whiskytasting mit Wolfgang (ab ca. 19.30 Uhr) und dem Thema Irische Whiskys im Südstadttreff statt. Wer Lust hat mitzumachen, bitte ebenfalls mich kontaktieren, aber Obacht: die Teilnehmerzahl ist auf maximal 24 begrenzt und allzu viele Plätze sind nicht mehr frei.

Der gleiche Kontext – Kontakt zu anderen, außerschachlichen Institutionen – , ein doch ganz anderes, ernsteres Thema. Seit 2003 ist unser offizielles Spiellokal das Bürgerhaus Marburg-Wehrda und obwohl wir kein klassischer Wehrdaer Verein sind, unterhalten wir seit vielen Jahren ein enges, freundschaftliches Verhältnis zu den dort ansässigen Institutionen bzw. Vereinen. Daher war es für uns als Vorstand selbstverständlich bei der Bürgerliste „Wehrda ist bunt“ mitzumachen. Diese Gruppierung bestehend aus nahezu allen in Wehrda vertretenen Sport-, Politischen-, Gewerblichen-, Kirchlichen-, Kulturellen- und sonstigen Vereinen und Organisationen sowie engagierten Bürgern, entstand Ende diesen Jahres als Reaktion auf eine Häufung von Hakenkreuzschmiererein in Wehrda.

Wie gehen wir als kleiner Randspartenverein, der von den meisten Leuten noch nicht einmal als Sportverein wahrgenommen wird, mit so etwas um? Ziehen wir uns in unser Schneckenhaus zurück und sagen „Das geht uns nichts an, wir spielen Schach und das wars“ oder beteiligen wir uns wie auch immer an der Diskussion? Und wie soll eine solche Beteiligung aussehen? Mitmachen bei der einen oder anderen gutgemeinten Aktion, sich dafür auf die Schulter klopfen lassen und in Kauf nehmen, dass man alle, die anderer Meinung sind, verprellt? Ich denke, letzten Endes muss jeder für sich selber entscheiden, ob, was und wieviel er in die aktuelle politische Diskussion einbringen möchte. Für mich als Vorsitzender dieses Vereins sind eigentlich zwei Dinge ausschlaggebend: wir stehen als Verein ohne WENN UND ABER hinter der freiheitlichen, demokratischen Grundordnung unseres Landes und wir bleiben als Verein so, wie wir sind. Wir sind als Verein klein, dick, groß, grün, schwarz, rot, gelb, vielleicht auch blau, laut, leise, arm und reich, wir kommen aus Deutschland, Syrien, Italien, Irak, Frankreich, Iran, Polen, Serbien, Rußland und der Ukraine, wir sind jung und alt, Frau und Mann, aber vor allem anderen haben wir Freude am Schachsport und das soll auch so bleiben.

Der Vorstand des SK Marburg wünscht allen Lesern, die bis zum Ende dieses doch etwas langen Textes durchgehalten haben eine schöne, friedvolle Weihnachten, einen guten Rutsch sowie ein gesundes und erfolgreiches 2020.

Für den Schachklub Marburg, Thomas Thimm, 1.Vorsitzender

 

 

 

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