Ein Schachfest im Waldtal: 26 Bretter, 52 Spieler – und 12:2 gegen auswärtige Gegner

Der Start in die neue Saison hätte kaum größer ausfallen können. Am Sonntag, dem 6. September, waren im Nachbarschaftszentrum Waldtal gleich sechs Mannschaften des Schachklubs Marburg im Einsatz – von der Hessenliga bis zur Kreisklasse wurde an 26 Brettern teils hochklassiges Schach gespielt. Zwei der vier Wettkämpfe waren dabei vereinsinterne Duelle. Wer zuschauen wollte, konnte das kostenlos tun, und es lohnte sich: Gegen die beiden auswärtigen Gegner holte der SKM zusammen 12 von 14 Brettpunkte.

  • Hessenliga: Revanche geglückt – 6½:1½ gegen Brett vorm Kopp

SK Marburg I – SC Brett vorm Kopp Frankfurt I 6½:1½

Im vergangenen Jahr hatte es gegen die Frankfurter eine bittere Auftaktniederlage gegeben. Diesmal wollten wir es besser machen – und es gelang deutlich besser als erwartet.

Eric
rechts Bernd und Andreas vom SKM

Beide Teams gingen ersatzgeschwächt in den Wettkampf, aber offensichtlich kam der SKM damit besser zurecht. Eric Rolle erspielte sich an Brett 2 gegen Stephan Wendel frühzeitig klaren Vorteil und gewann noch vor dem 20. Zug. Philipp Dubinker zeigte sich an Brett 8 hoch überlegen und gewann schnell zwei Figuren. Bernd Baums Gegner ließ an Brett 5 eine Springergabel zu, während Thomas Henrich an Brett 4 die passive Stellung Bernhard Kettlers schnell zusammenschieben konnte. Andreas Schäfers gab an Brett 6 in besserer Stellung remis – das war bereits der Mannschaftssieg.

Aarush

Johannes Dorst hatte an Brett 7 eine klar überlegene Stellung; sein etwas spekulatives Figurenopfer wäre gar nicht nötig gewesen, reichte am Ende aber doch. Joachim Dunckers Gegner tauschte an Brett 3 in nur leicht schlechterer Stellung die Damen und landete im klar verlorenen Läuferendspiel.

Der einzige Brettpunkt für Frankfurt fiel am Spitzenbrett: Aarush Sreeramulu war gegen den deutlich höher eingestuften Harilos Karabalis gut aus der Eröffnung gekommen, stellte dann aber den Turm zu passiv und konnte die Königsstellung nicht mehr verteidigen.

In der Summe ein klares 6½:1½ – stark!

Bericht: Thomas Henrich

  • Landesklasse West: Die Zweite setzt sich im Derby mit 5:3 durch

SK Marburg III – SK Marburg II 3:5

Am ersten Spieltag der Landesklasse West stand ein vereinsinterner Kampf zwischen der Dritten und der Zweiten an. Die Dritte hatte als Aufsteiger nur Außenseiterchancen – und musste aus personellen Gründen die Bretter 1 und 3 kampflos abgeben. An den Brettern, an denen tatsächlich gespielt wurde, gestaltete sich der Wettkampf dennoch spannend.

Shadi

An Brett 8 stand Andreas Morgen (SKM 3) von Beginn an vorteilhaft gegen Shadi Alkayas (SKM 2) und konnte in Ruhe einen Königsangriff entwickeln, der mit einem Damenopfer und schönem Matt zum Anschlusstreffer führte. An Brett 7 traf Neuzugang Paul Mayer (SKM 3) auf Felix Eckerkunst. Paul begann mit Weiß ebenfalls einen Königsangriff, doch Felix verwickelte das Spiel so sehr, dass keiner ein weiteres Risiko eingehen wollte – Remis.

An Brett 5 ergab sich eine lange ausgeglichene Partie zwischen Max Lindow (SKM 2) und Oliver Mülders. Gerade als Max sich einen Vorteil erspielt hatte, aber auch schon in leichte Zeitnot geraten war, verstellte er die einzige Rückzugsmöglichkeit für einen seiner beiden Türme – ein einfacher Bauernzug von Schwarz fing die Figur. Überraschend hatte die Dritte ausgeglichen zum 2½:2½.

An Brett 2 kam Thorsten Brand (SKM 3) gegen Genadi Nekhamkis nach anfänglichen Schwierigkeiten in ein Endspiel mit Springer, Läufer und Bauern auf beiden Seiten; Genadi sah mit Schwarz keinen Gewinnweg, man einigte sich auf Remis. An Brett 6 hatte Udo Schneider (SKM 3) mit Weiß gegen Lennart Hein in einer taktischen Abwicklung einen Bauern verloren – Vorteil für Schwarz, aber bei dieser Materialverteilung noch keine Entscheidung.

Die brachte Brett 4: Louis Hessler Carbonell (SKM 3) stand mit Weiß gegen Mika Jonas Koch lange unter Druck, hielt sich gut, doch im entscheidenden Moment führte ein Bauernverlust zu einem Freibauern für Schwarz, der ohne mögliche Gegenwehr zur neuen Dame marschierte. Udo kämpfte an Brett 6 noch am längsten, konnte einen weiteren Bauernverlust aber nicht vermeiden. Damit gewann die Zweite den Mannschaftskampf mit 5:3.

Bericht: Oliver Mülders

  • Bezirksliga: Die Vierte fegt den Vorjahresmeister vom Brett

SK Marburg IV – SC Butzbach I 5½:½

Auf dem Papier war das die schwerste Aufgabe des Tages: Die Vierte bekam es mit dem letztjährigen Meister zu tun, der nur wegen Personalknappheit auf den Aufstieg verzichtet hatte. Genau diese Personalknappheit war dann auch schon am Spitzenbrett zu spüren, das Butzbach kampflos abgeben musste – Raphael Noll kam ohne Partie zu seinem Punkt.

Der Rest war Arbeit, die die Vierte erledigte: Kirill Avhopulo (Brett 3), Kevin Naumann (4), Nikolas Wardenski (5) und Pavo Brajkovic (6) gewannen allesamt, Mike Carrie holte an Brett 2 ein Remis. Am Ende stand ein 5½:½, das in dieser Höhe kaum jemand erwartet hatte – ein Auftakt, der die Erwartungen an die Saison spürbar nach oben schraubt.

  • Kreisklasse: Jugend schlägt Erfahrung

SK Marburg VII – SK Marburg VIII 1:3

Mit einem Altersdurchschnitt von gerade einmal zehn Jahren gelang der neuformierten Achten eine kleine Sensation: ein 3:1-Sieg gegen die Siebte.

Nach der frühen 2:0-Führung durch Siege von Benjamin Malic am Spitzenbrett gegen Wladislaw Timoschenko und des erst siebenjährigen Noah Keding an Brett 4 gegen Claudia Bowitz wurde es noch einmal eng. Zunächst verkürzte Lothar Weber für die Siebte gegen Maximilian Elter auf 1:2, und auch Gerd-Bernd Schulmeier führte gegen Constantin Friedrich bereits mit zwei Bauern. Letzterer konnte aber durch eine Taktik den gefesselten Läufer seines Gegners schlagen und war danach nicht mehr aufzuhalten. Damit war der 3:1-Auftaktsieg perfekt.

Bericht: Philipp Keding

  • Fazit

Ein Auftakt, wie man ihn sich wünscht: zwei klare Siege gegen auswärtige Gegner – 6½:1½ und 5½:½, zusammen 12:2 Brettpunkte –, ein Derby in der Landesklasse, das trotz zweier kampfloser Bretter bis zum Schluss offen war, und eine Jugendmannschaft, die zeigt, wohin die Reise beim SKM gehen kann. Ein echtes Schachfest – und die Saison hat gerade erst begonnen.

 

 

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